Was ist es nun - ein Meer oder ein See??? Streng geographisch ist es ein Binnensee, doch auf Landkarten wird es als "Meer" bezeichnet. Nachdem ich darim geschwommen bin, antworte ich nach Gefühl. Das Kaspische Meer fühlt sich so an, als hätte man die Ostsee weit nach Süden verlagert. Es gibt keine Gezeiten und auch keine nennenswerte Brandung. Dafür ist das Wasser aber salzig und es riecht einfach nach Meer. Allerdings liegt dieses Meer in einer sehr viel wärmeren Region und im August hat das Wasser eine Temperatur von + 25 Grad. Das ist lauwarm und hat den Vorteil, dass man sich stundenlang darin aufhalten kann. Nicht zu vergessen die subtropische Vegetation am Ufer. Diese wächst aber nur, falls Zuflüsse von Süßwasser dabei sind.

Im Kaspischen Meer gibt es zwei Schätze, die allerdings im Widerspruch zueinander stehen. Das Erdöl und der Kaviar. Der letztere stammt vom Stör und diese Fische gedeihen nur in sauberem Wasser. So war ich nicht auf den Gedanken gekommen, in Baku zu baden. Dort gibt es nämlich Ölfelder in der Nähe. Zwar meintzen die Einheimischen, die Strände von Baku seien unbedenklich, doch da habe ich meine Zweifel. Umgekehrt hatte ich gehört, die Südwestecke des Kaspischen Meeres sei unbedenklich und von dort würde guter Kaviar kommen. Vor allem deshalb führte mich der nächste Schritt meiner Reise in die Stadt Länkäran. Dort habe ich wiederum keinen Kaviar im Angebot gesehen, wobei ich mir denke, dass dieser vollständig exportiert wird. Den Stör als Fisch dagegen kann man in jedem beliebigen Restaurant bekommen und allein schon die Reusen im Meer zeigen, dass hier fleißig gefischt wird. Es scheint sich zu lohnen.

Mein erstes Bad endete mit einer Enttäuschung. In der Nähe des Ortes befindet sich ein kleiner Strand, der unschwer zu finden ist. Nach dem Bad war mein Portemonnaie verschwunden. Darin befand sich zwar nur ein Betrag von umgerechnet 40 Euro, doch wäre es recht teuer gekommen, wenn mich jedes Bad 40 Euro kostet. Zu meinem Glück hatte ich meine Kamera nicht mitgenommen und deshalb kann ich auch kein Bild zeigen. Das hat jedoch den Vorteil, dass meine Kamera erhalten blieb und so war ich in der Lage, andere Strände zu fotografieren. Daraufhin informierte ich mich bei Einheimischen. Dies ist ein unbewachetr Strand. Hier darf jeder baden - und scheinbar auch klauen. Dagegen gibt es auch bewachte Strände. Der Strandwächter verlangt einen Manat gleich 80 Cent. Dafür sagt er, wo man seine Sachen hinlegen soll und darauf passt er dann auch auf.

Im Internet hatte ich gelesen, dass der Strand von Länkäran "Kanarmescha" heißt. Dieser liegt 10 Km weiter südlich und falls man keinen eigenen Wagen dabei hat, gelangt man dorthin nur mit dem Taxi. Das kostet hin und zurück ungefähr 10 Euro. Das klingt teuer und ist es auch für aserbaidschanische Verhältnisse, denn die letzten drei Kilometer führen über eine fürchterliche Buckelpiste, wo jeder Fahrer sein Fahrgestell aufs Spiel setzt.

Schon vor meiner Ankunft fragte mich der Fahrer, ob ich vielleicht am Restaurant abgesetzt werden möchte und ich sagte "ja". In diesem Restaurant kann man günstig und gut essen. Auf den ersten Blick erkannte ich, dass hier eine Steilküste vorliegt. Dazu gleich das Bild von der Aussicht.

Ausblick

Der Zugang zum Strand wurde dann allerdings richtig zum Stess. Zunächst muss man ein befahrenes Bahngleis überqueren und bei uns wäre das bereits "unerlaubter Bahnübergang". Dann folgt eine Geröllhalde und eine zerborstene Steintreppe. Die einheimischen Badegäste sind offenbar geübte Kraxler, doch ich bin es nicht. Nachdem ich alle Schwierigkeiten überwunden hatte, schwamm ich erst mal eine Runde von 40 Minuten, wobei es draussen im Meer Sandbänke gibt, auf denen man stehen kann. Währenddessen vetraute ich dem Strandwächter, dass er nicht nur auf meine Sachen, sondern vor allem auf meine Digi-Cam aufpasst. Nachher machte ich einige Bilder, die ich hier zeige.

Kanarmescha

Kanarmescha

Kanarmescha

Auf dem Rückweg musste ich wiederum über glühende Felsformationen klettern und bis ich das Taxi bestellt hatte, standen mir bereits Schweißperlen auf der Stirn. Na toll! Da kam ich mir vor wie der arbeitslose Geograph. Einen Badeurlaub am Mittelmeer hätte ich billiger und besser haben können. Und warum tat ich mir den Stress an? Nur weil ich Bilder vom Kaspischen Meer zeigen will.

Wieder einmal fragte ich Einheimische, ob ich das nicht bequemer haben könnte und wieder einmal bestätigte sich der Vorteil der russischen Sprache, die in den GUS-Ländern einfach gängiger ist als Englisch. Ja, dann sollte ich nach Astara fahren. Das ist von Länkäran aus 60 Km entfernt und liegt bereits an der iranischen Grenze. Also testete ich mal den Strand von Astara. Der ist zumindest ebenerdig begehbar und es gibt dort primitive Strandhütten aus Hölzern, Schilf und der blauen Plastikfolie unserer Müllsäcke. Dort kann man nicht nur sein Gepäck deponieren, sondern auch noch für wenige Cents Tee oder Bier trinken. Dafür ist dieser Strand übersäht mit Muschelschalen, Müll und kleinen Steinchen. Wenn man keine Badeschuhe anhat, dann muss man ganz genau aufpassen, wo man hintritt.

Dazu der Überblick:

Strand

Strand

Wo sonst sieht man am Strand eine freilaufende Kuh?

Astara

Der kaspische Sand soll angeblich heilsam sein und deshalb lassen sich einige Leute auf eigenen Wunsch im Sand einbuddeln.

Astara

Ich hielt das für Aberglauben und war mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Also hakte ich nach und fragte, wo man sonst noch baden kann. Das Ergebnis lautete "Paladly Sahil". Sinngemäß übersetzt ist das ein Strand mit Holzbauten, womit sowohl Ferienhäuser als auch gastronomische Einrichtungen gemeint sind. Dort führt eine begehbare Treppe ins Meer, so dass man stessfrei schwimmen kann. Auch dazu zwei Bilder:

Sahil

Sahil