Schon auf der Hinreise wurde ich gefragt, was ich denn in Länkäran eigentlich will. Zunächst wollte ich im Kaspischen Meer baden. Daraufhin wurde ich bereits gewarnt. Von der Qualität der Strände würde ich wahrscheinlich enttäuscht sein. Wohl wahr. Wer einfach nur einen Bedeurlaub verbringen möchte, der kann das am Mittelmeer besser und billiger haben. Deshalb ein weiterer Link: Kaspisches Meer

Warum reist der Mensch nach Länkäran? Für Einheimische ist es in erster Linie der Handel und vor allem der orientalische Kleinhandel. Die Stadt Länkäran liegt nur 60 Km entfernt von der iranischen Grenze und auf der Strecke von Baku nach Länkäran sieht man vielfach Fahrzeuge mit iranischem Kennzeichen. Der Handel läuft also in beide Richtungen. Nebenbei möchte ich bemerken, dass alkoholische Getränke in der laizistischen Republik Asrebaidschan erlaubt sind, während sie der islamische Gottesstaat im Iran verbietet. Etwas Schmuggel und Schwarzhandel dürfte auch dabei sein.

Auf Aserbaidschanisch stellt man gerne die Frage: "Ne var ne yox?" Auf Deutsch: Was gibt es und was gibt es nicht? In Länkäran habe ich massenhaft Läden für Bekleidung gesehen, wobei sowohl Damen als auch Herren gemeint sind. Dazu massenhaft Photographen. Wer das will, der kann sich neu einkleiden und dann auch noch sein Konterfei ablichten lassen. Dazu gibt es noch Läden für den täglichen Bedarf. Was es nicht gibt - Souvenirs für Touristen. Null, niente, nada! Nicht einmal Ansichtskarten kann man da bekommen. Was es auch nicht gibt, sind Restaurants nach westlichem Verständnis. Was es wiederum gibt, das sind einfache Lokale, die man in Österreich "Beisel" nenen würde. Dort gibt es für gewöhnlich Tee oder Bier und dazu Grillgerichte.

Das Gebiet rund um Länkäran ist Siedlungsgebiet der Talysch. Dies ist ein Volk iranischer Herkunft. Äußerlich kann man Aserbaidschaner und Talysch nicht unterscheiden. Mir wurde gesagt, dass die Einwohner von Länkäran zur Hälfte Aserbaidschaner und zur Hälfte Talysch sind. Wenn überhaupt, dann erkennt man einen Talysch an seiner Sprache. Für einen Talysch ist schon Aserbaidschanisch die erste Fremdsprache, Russisch die zweite Fremdsprache und Englisch die dritte Fremdsprache. So trifft man selten einen Talysch, der Russisch kann und noch weniger geht es auf Englisch. Auf Aserbaidschanisch machen sich die Talysch durch einen besonderen Tonfall bemerkbar. Eigentlich müsste jede Silbe gleichmäßig betont werden. Ein Talysch dagegen betont die letzte Silbe des Wortes und zieht diese am Satzende sehr in die Länge.

Die Stadt Länkäran befindet sich buchstäblich im Aufbau. Überall seiht man Baustellen. Im ersten Bild zeige ich eine Fussgängerzone, die bei Fertigstellung recht schön werden könnte.

Fussgängerzone

Die Prachtstraße benennt sich natürlich nach dem großen Führer "Haidar Alijew".

Boulevard

In der näheren Umgebung wird Tee angebaut und Einheimische behaupten, dieser Tee sei der beste des ganzen Landes. Zu Sowjetzeiten war dieser Tee der Parteispitze vorbehalten. Heute trinken ihn Einwohner von Länkäran und Ausländer, die dort hinkommen. Dazu kann ich nur sagen: es ist ein sehr kräftiger schwarzer Tee, den man am besten gesüßt trinkt. Einheimische nehmen dazu gerne kandierte Früchte.

Empfohlen wird Huhn auf persische Art. Dies wird mit Nüssen und Granatäpfeln abgeschmeckt und im Lehmofen überbacken. Dazu kann ich nur eins sagen: es schmeckt einfach lecker!

Gegenwärtig befindet sich ein internationaler Flughafen im Bau, der in zwei bis drei Jahren fertig gestellt sein soll. Die Region spekuliert auf Tourismus. Ich stellte die Frage, was das für ein Tourismus sein soll, wenn es nicht Badeurlaub am Kaspischen Meer ist. Dazu die Antwort: Urlaub in den Talysch-Bergen. Dies ist ein Küstengebirge, das man nicht mit dem Kaukasus verwechseln sollte. Auch hier erreichen die höchsten Gipfel 2.500 Meter, doch der größte Teil ist Mittelgebirge.

Hier gibt es die letzten Urwälder Europas. Ein Teil dieses Gebietes wurde bereits unter Naturschutz gestellt und ist heute Nationalpark. Europäisch ist vor allem die Dominanz der Buche. Solche Buchenwälder gab es in frühester Zeit rund um das Mittelmeer, wo diese Wälder allerdings abgeholzt wurden. Der Unterschied am Kaspischen Meer bestand vor allem darin, dass die Talysch niemals ein Motiv hatten, um Wälder abholzen zu müssen. Abgesehen von der Buche ist der Eisenbaum sehr charakteristisch. Das Holz dieses Baumes ist so schwer, dass es im Wasser untergeht. Wie der Name schon sagt, wurde das Holz des Eisenbaumes in der Vergangenheit als Ersatz für fehlende Metalle benutzt.

In den Talysch-Bergen und auch im Vorgebirge gibt es Rastplätze und Ausflugsorte, welche das Herz eines Orientalen höher schlagen lassen. So schon einmal das erfrischende Grün von Blättern. Grün ist die heilige Farbe des Islam und der Anblick ist eine wahre Wohltat, wenn man aus Wüsten oder auch Halbwüsten kommt. Ebenso der Anblick von sprudelndem Wasser - am liebsten in Form von Wasserfällen. Dazu die Kühle schattiger Schluchten und ebenso die Kühle der Höhenlage.

In dieser Region gibt es zweierlei Ausflugsziele. Entweder Rastplätze ohne Bewirtschaftung. Dann muss der Reisende sein Proviant selber mitbringen, was in der Regel billiger kommt. Oder dann Rastplätze mit Bewirtschaftung, was unseren Gartenlokalen entspricht.

In der Folge lasse ich einfach mal ein paar Bilder Revue passieren. Zur Vergrößerung bitte klicken.

Waldweg

Wassefall

Fluss

Fluss

Fluss