Im Restaurant bezahlt man Preise wie bei uns. Allerdings sind Restaurants schwer zu finden und wenn überhaupt, dann in der Hauptstadt Baku. Zumeist sind das wiederum türkische Restaurants und Preise und Leistungen sind ungefähr so, wie in Istanbul.

Ein "Kafe", dass ich bewußt aserbaidschanisch schreibe, also mit "k" und nur einem "f", hat mit unserem Café überhaubt nichts zu tun. Kaffee als Getränk gibt es so gut wie gar nicht und das Nationalgetränk ist schwarzer Tee.

In einem aserbaidschanischen Kafe kostet eine Mahlzeit umgerechnet ungefähr fünf Euro. Dafür muss man vorbestellen. Am einfachsten geht das mit Grillgerichten, die am Holzkohlengrill zubereitet werden. Die Bestellzeit dauert etwa 30 Minuten. Gerichte, welche gekocht oder gedünstet werden müssen, dauern natürlich länger. Da gibt es unterschiedliche Regelungen. Manchmal muss man einen Tag im Voraus bestellen. Manchmal gibt es das Gericht nur ab einer Mindestanzahl von drei Personen. Also ganz konkret: ein Essen, dass im Restaurant 12 Euro kostet, könnte man im Kafe bei gleicher Qualität für 6 Euro bekommen. Dafür gibt es im Kafe immer die Sache mit der Vorbestellung und am einfachsten geht das immer noch auf dem Holzkohlengrill.

Nun wurde ich gefragt, ob es in Aserbaidschan Gerichte gibt, die wir nicht kennen. Teils teils. Also ein Grill ist ein Grill und ein aserbaidschanischer Grill unterscheidet sich nicht sonderlich von unserem Gartengrill.

Typisch aserbaidschanisch und übrigens auch orientalisch ist die Vielzahl von Beilagen. Die Menschen ernähren sich mehr von den Beilagen, als vom Hauptgericht selber. An erster Stelle steht Fladenbrot. Am besten schmeckt es aus dem Lehmofen gebacken und dann heißt es "Tandir". Dazu kommen - fast immer - Tomaten und Gurken. Oftmals auch "Reichan". Das ist ein violettes Kraut, welches sehr aromatisch schmeckt und auch gesund sein soll. Manchmal dabei sind Melonen, Tsatsiki und andere Dinge.

Aserbaidschanische Tafel

Auf dem Bild einige Vorspeisen zum Einstieg. Danach gab es noch die Hauptspeise und eine Flasche Wodka. Das war eine Gelegenheit als meine Fremdenführer zum Essen eingeladen werden wollten. Das Mal zog sich über drei Stunden hinweg und zu dritt bezahlte ich umgerechnet 28 Euro. Im Gegenzug zeigten mir die Leute, wo man gut und günstig essen kann. In Hinblick auf Preis und Leistung ist dieses Lokal einfach Spitze! Alleine hätte ich es nie gfunden.

Der Stör ist ein Fisch aus dem Kaspischen Meer und produziert Kaviar. In Aserbaidschan selbst habe ich keinen Kaviar im Angebot gefunden, wobei ich vermute, dass dieser Fischrogen vollständig exportiert wird. Dagegen Fleisch vom Stör. Diese Fische erreichen eine Länge von zwei bis drei Metern und zum Verzehr werden sie mit der Axt zerteilt. Das Schöne daran: daraus entstehen faustgrosse Brocken, die fast keine Gräten haben. Davon abgesehen, schmeckt der Stör sehr aromatisch. Ich habe selten einen so guten Fisch gegessen und möchte gebratenen Stör auch im Bild zeigen:

Stör, gebraten

Lävängi ist eine Spezialität im Südosten des Landes, wo die Talysch wohnen. Diese sind ein Volksstamm iranischer Herkunft. Das Nationalgericht dieser Menschen ist mariniertes Huhn, das im Lehrmofen gedünstet wird. Die Marinade wird als Soße mitgereicht. Diese besteht vor allem aus gestoßenen Walnüssen, Früchten und Gewürzen. Dazu passt am besten Plov. Dieser ist wiederum ein zentralasiatisches Gericht. Gedünsteter Reis mit Safran und Aprikosen. Beides zusammen schmeckt himmlisch. Leider ist es in Aserbaidschan nicht immer so leicht zu bekommen. Dazu braucht es guter Freunde. Wer diese hat, dem kann ich Plov mit Lävängi nur empfehlen. Unbedingt einladen oder sich einladen lassen, wobei letzteres schwerer fällt. Dann also lieber das Angebot: "ich reicher Westmensch lade dich armen Aserbaidschaner ein." Funktioniert immer und führt auch noch dazu, dass man den Reichtum der kaukasischen Küche kennenlernt.

Plov & Lävängi