Offiziell gibt es 40 verschiedene Völker oder auch ethnische Gruppen. Inoffiziell wird nur unter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, denn man möchte Konflikte vermeiden, wie sie in anderen kaukasischen Ländern vorkommen. Staatsvolk sind Aserbaidschaner türkischer Abstammung. Theoretisch müssten sie wie Türken aussehen. Bei näherem Hinsehen erkennt man, das Menschen dabei sind, die wohl kaum türkischer Herkunft sein dürften. Das Spektrum reicht von Europäern bis hin zu Mongolen.

Komischerweise wird ein Europäer dennoch als solcher erkannt. Das liegt an der Hautfarbe. Bei starker Sonneneinstrahlung werden wir rot wie die Indianer. Ein Asiate oder Aserbaidschaner wird eher oliv oder gelblich.

Es gibt drei Religionen. Moslems schiitischer Glaubensrichtung bilden die Mehrheit. Hinzu kommen orthodoxe Christen sowie Anhänger der Lehre von Zarathustra. Einige Aserbaidschaner sind Atheisten.

Das Land hatte noch niemals richtigen Zugang zum Westen und Ausländer lösen extreme Neugier aus. So wurde ich mindestens zehn mal am Tag gefragt, wo ich herkomme und was ich in Aserbaidschan will. Dabei versuchen die Einheimischen zu raten, welche Sprache der Ausländer wohl sprechen mag. Zum größeren Teil versuchten sie es auf Russisch. Zum kleineren Teil auf Englisch. Niemand kam auf den Gedanken, dass ein Ausländer auch Aserbaidschanisch gelernt haben könnte.

Zur Gastfreundschaft gibt es bestimmte Regeln. Eine Einladung zum Tee darf man nicht ablehnen. Eine Einladung zum Wodka gibt es nur für Männer. Sonst ist es umgekehrt so, dass sich der arme Aserbaidschaner lieber vom reichen Ausländer zum Essen einladen lässt.

Die Gleichberrechtigung der Geschlechter gibt es vielleicht schon in der Hauptstadt Baku. Sonst ist es so, dass eine Frau nicht von sich aus in eine "Tschaichana" (Teehaus) geht und auch öffentlich keine alkoholischen Getränke zu sich nimmt. Eine Ausnahme bildet die Prostitution, die es auch in Aserbaidschan gibt.

Die Kleidung ist so wie in südeuropäischen Ländern oder auch wie in der Türkei. Gelegentlich sieht man Aserbaidschanerinnen in orientalischer Kleidung, doch diese bilden die Ausnahme.

Nach der Wende ist das Land extrem kapitalistisch, wobei ich lieber von einer Diktatur spreche. Die Oberschicht oder Oligarchie bereichert sich an den Einnahmen aus Erdöl oder Erdagas. Als Normalsterblicher oder auch als Tourist bekommt man diese Leute kaum zu Gesicht. Man merkt es höchstens indirekt, indem man bestimmte Gebäude nicht betreten darf oder indem man von der Poizei verscheucht wird.

Es gibt eine dünne Mittelschicht, welche sich vor allem aus Neugier mit Ausländern unterhält.

Die Masse der Bevölkerung ist formal selbständig und nach unseren Begriffen ohne feste Beschäftigung. Es gibt also keine Arbeitslosen in unserem Sinne und das liegt auch daran, dass der Staat keine Arbeitslosen unterstützt. Diese Leute halten sich mit irgendwelchen Jobs über Wasser und mir wurde gesagt, dass so einer umgerechnet gerade mal 300 Euro im Monat verdient. Diese Leute machen sich sehr gerne an Touristen heran und versuchen, mir irgendwelche Dienstleistungen zu verkaufen. Darunter sind durchaus ehrliche Menschen, denen man vertrauen kann. Außerdem bietet die sehr starke Konkurrenz einen Vorteil. Das heißt dann im Klartext: wenn mir das Angebot des einen nicht passt, dann suche ich mir einen anderen.

In Bildern zeige ich jetzt nette Aserbaidschaner, die an meinem Tourismus mitverdienen wollten, wobei ich die Angebote durchaus fair fand.

So Leute, die mich zum Tee einluden: Teegarten

Besonders loben möchte ich meine beiden Fremdenführer Rahim und Mahir. Rahim spricht sehr gut Russisch und mit ihm konnte ich mich bestens verständigen. Dafür spricht er auch gerne dem Wodka zu und aus verständlichen Gründen fährt er kein Auto. Mahir dagegen ist strenggläubiger Moslem und trinkt keinen Alkohol. Deshalb ist er der bessere Fahrer. Doch so - wie viele orthodoxe Moslems - macht er sich nicht die Mühe, eine westliche Fremdsprache zu lernen. Deshalb konnte ich mich mit ihm nur sehr schlecht verständigen. Auf dem folgenden Bild zeige ich Rahim links und Mahir rechts.

Rahim & Mahir