Wer sich über die mazedonische Geographie informieren möchte, der sollte auch das Kapitel über die Dritte Welt gelesen haben. Nackte Zahlen sagen nichts aus. Aber auch gar nichts! Ein Kilometer auf einer deutschen Autobahn entspricht keineswegs einem Kilometer auf einer mazedonischen Schotterpiste. In Kilometern gerechnet, ist das Land sehr klein. In Fahrzeiten gerechnet, ist das Land sehr groß.

Selbst in Deutschland gilt der zynische Satz: vertraue nur einer Statistik, die du eigenhändig gefälscht hast. Das gilt erst recht für ärmere Länder. Statistiken werden entweder aus Unkenntnis erfunden oder politisch manipuliert. Nur die Mazedonier selbst wissen, wie arm sie tatsächlich sind. Wir können das überhaupt nicht wissen.

Weil das so ist, schildere ich die Geographie lieber im Groben. Zahlen sind Schall und Rauch.

Landschaftlich muß man sich das Land wie einen Trog vorstellen. Von Norden nach Süden verläuft der Fluß Vardar. Dies ist der wichtigste Fluß des Landes und links und rechts gibt es eine Talsenke, die landwirtschaftlich genutzt wird. Die Hauptstadt Skopje liegt am Oberlauf des Vardar. Am Vardar entlang führt auch der Handelsweg von Deutschland nach Griechenland bzw. in umgekehrter Richtung. Früher war das der berühmte Autoput bzw. Balkan-Put. Heute, nach Ende der Kriege, muß man fragen, wieviel davon übriggebleiben ist.

Vardar

Östlich und westlich des Vardar erheben sich Gebirge. Diese sind zwar nicht sonderlich hoch, dafür aber schroff. Oftmals erblickt man dramatische Felsformationen. Deshalb teilt sich das Land in West-Mazedonien und Ost-Mazedonien. Schon in der Vergangenheit wurde versucht, zumindest West-Mazedonien für den Tourismus zu erschließen. Dagegen ist Ost-Mazedonien weiterhin «terra incognita». Auf deutsch also «unbekannte Erde». Man vermutet, daß auch dort Menschen leben. Viel mehr weiß man noch nicht.

Das Klima ist mediterran-kontinental. Geographisch liegt das Land auf der Breite von Neapel. Doch zieht sich der Trog von Norden nach Süden und ermöglicht das Einströmen sowohl extrem heißer wie auch extrem kalter Luftmassen.

Bei der Planung von Reisen sollte man die Höhenunterschiede beachten. Das Tiefland des Vardar, wird besonders im Süden in den Sommermonaten brütend heiß.

Dagegen sind manche Berge noch im Mai mit Schnee bedeckt.

Die Seen Ohrid und Prespa liegen in mittlerer Höhenlage. Der Verlauf der Jahreszeiten ist dort wie in Deutschland. Falls man in einem der Seen schwimmen möchte - das Wasser ist absolut sauber - dann empfehle ich den Sommer.

Im Westen des Landes überwiegt Wald. Im Osten dagegen Steppe.

Demnach fällt der meiste Regen im Westen und der wenigste im Osten. Die hauptsächliche Regenzeit liegt im Frühjahr. Die anderen Jahreszeiten sind trockener.

Dazu einige Bilder:

Wald

Steppe

Das Land ist weithin bäuerlich geprägt. Dazu ein Dorf:

Dorf

Ende April 2004 war das Wetter weitgehend regnerisch. Deshalb habe ich nur begrenzt Wanderungen unternommen. Hier einige Blumen:

Blumen

Zwischen den Seen Ohrid und Prespa liegt der Nationalpark Galitschitza. Wegen des schlechten Wetters vermochte ich diesen nicht zu erwandern. Doch wurde mir versichert, daß es dort eine Anzahl seltener Tiere und Pflanzen gibt.