Veliki Aleksandr

Das heutige Gebiet von Mazedonien wurde über den längsten Teil der Vergangenheit hinweg von Fremden beherrscht. Der Reihe nach waren das: Griechen, Römer, Bulgaren, Türken und Serben. Jeder Herrscher schreibt seine eigene Geschichte. Es gibt nicht nur eine mazedonische Geschichte; - es gibt mehrere. Die Wahrheit ist auch deswegen sehr schwer zu erkennen, weil Mazedonien sehr arm ist. Es fehlt an Geld für Forschungen und Ausgrabungen.

Wenn schon einmal jemand dort ist und ganz besonders, wenn sich Reisende für historische Sehenswürdigkeiten interessieren, dann darf man es den Mazedoniern nicht verübeln, wenn sie die Gelegenheit wahrnehmen, auch einmal ihre Version der Geschichte vorzutragen. Die Belehrung durch Ausländer ist natürlich nicht erwünscht. Die Mazedonier kennen das zur Genüge und damit schafft man sich sicherlich keine Freunde. Umgekehrt sind Ausländer sehr willkommen, wenn sie zuhören können und sich einmal belehren lassen.

Ein Widerspruch in der Geschichte läßt sich kaum verheimlichen. In der Antike schuf bereits Alexander der Große ein mazedonisches Reich, das in die Geschichtsbücher einging und nur kurzen Bestand hatte. Dennoch gilt Alexander als heimlicher Nationalheld und seine Symbole werden häufig und gerne gezeigt. Genau das verursacht den Einspruch der Griechen. Es geht nicht nur um die gleichnamige Provinz. Vielmehr wollen sich die Griechen «ihren» Alexander auch nicht nehmen lassen.

Gleichzeitig sieht sich Mazedonien als «Wiege des Slaventums». Zumindest die kyrillische Schrift wurde dort erfunden. Der Versuch, Alexander den Großen zum Slaven zu machen, wäre schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Zudem waren die Slaven in der Antike gleichzeitig die Sklaven - die Ähnlichkeit des Wortes ist nicht zufällig - und das war Alexander nun wirklich nicht. Immerhin gibt es für ihn eine slavische Übersetzung: «Aleksandr Veliki».

Ganz diplomatisch ist es natürlich, den Punkt nicht weiter zu vertiefen. In anderen Kulturen ist es ohnehin am besten, mehr zuzuhören und weniger zu reden. Falls jemand dennoch Genaueres wissen möchte, dann empfehle ich folgenden Link: ALEXANDER DER GROSSE

Wenn überhaupt, dann sollte man weitere Fragen mit sehr guten Freunden diskutieren und das auch nur, wenn beide Seiten die gleiche Sprache beherrschen.

Zum Glück hat Deutschland keinen besonderen Anteil an der mazedonischen Geschichte. Zumindest keinen Anteil, der wahrgenommen wurde. Deshalb ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Mazedoniern unkompliziert und so soll es auch bleiben. Man erinnere sich daran, daß die KFOR-Truppen zur Sicherung des Friedens hauptsächlich von Deutschen gestellt werden. Das kann auch dazu führen, daß man als deutscher Urlauber von Soldaten der Bundeswehr kontrolliert wird.

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