Eine eigenständige Nation

1976 war M. eine Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawiens. Heute ist es eine eigenständige Nation. Geändert hat sich erstaunlich wenig. Es gibt eine Staatsgrenze, an der man seinen Reisepaß vorzeigen muß. Es gibt eine Nationalflagge, die ursprünglich einmal das Feldzeichen Alexanders des Großen war. Ansonsten hat sich wenig geändert.

Die Menschen sind balkanisch kosmopolitisch. Der geistige Horizont reicht von München bis Istanbul. Es gilt der Grundsatz der Toleranz: Leben und leben lassen.

Das Land hat die Balkankriege nie gewollt und möchte sich nach Möglichkeit auch weiterhin heraushalten. Dafür wäre der Beitritt zur EU sehr erwünscht. Es liegt vielmehr an Brüssel, daß - vor allem aus Kostengründen - nicht beliebig viele Kandidaten zur gleichen Zeit aufgenommen werden können. Auf jeden Fall möchte sich das Land für den Beitritt vorbereiten und erscheint stellenweise wie eine große Baustelle.

Skopje und andere Orte

1976 war Skopje nach einem Erdbeben schnell und billig wieder aufgebaut worden. Damals erinnere ich mich an eine scheußliche Betonwüste, die man schnellstmöglich wieder verlassen sollte. Nun hatte die Landeshauptstadt 28 Jahre Zeit, um ihr Antlitz zu verbessern. In der Zeit ist schon einiges getan worden und heute ist auch der Besuch von Skopje erneut lohnend.

Die Architektur anderer Orte war 1976 fast durchgängig osmanisch. Es war fast so, als hätte man die Möglichkeit, das Osmanische Reich wieder zu entdecken. Heute läßt man alte Häuser gnadenlos verfallen. Dazu ein erschreckendes Bild aus Bitola:

Altbau

Daneben errichtet man neue Häuser. Die Schönheit richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten des Hausherrn. Falls das Geld reicht, verwendet man schon wieder Vorlagen aus byzantinischer Zeit. Solche Häuser sind architektonisch sehenswert. Ärmere Familien dagegen leben in Rohbauten ohne Verputz. Diese Art von Architektur verschönert nicht gerade die Städte.

Kleidung

1976 trugen Mazedonier, Albaner und Türken noch ihre jeweiligen Trachten. Das sah sehr malerisch aus und dadurch vermochte man die Nationalitäten leicht zu unterscheiden.

Heute tragen alle billige Freizeitkleidung aus internationaler Massenproduktion. Das sieht eher langweilig aus und die einzelnen Nationalitäten sind im Straßenbild nicht mehr zu erkennen.

Nebenbei schafft der Umstand Probleme bei der sprachlichen Verständigung. Die Mazedonier sprechen eine slawische Sprache. Wer Bulgarisch, Serbisch oder auch Russisch gelernt hat, der könnte einigermaßen zurecht kommen.

Das gilt natürlich nicht für Albaner und Türken, welche nichtslawischen Ursprungs sind.

Wirtschaft

Schon 1976 ging das Land den dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Zwar wurden Privatbetriebe toleriert, doch leisteten sich diese keinerlei Werbung. Angebote waren sehr schwer zu erkennen und es entstand der Eindruck, als ob sich die Menschen einseitig von Ackerbau und Viehzucht ernährten.

Im Jahre 2004 ist die Marktwirtschaft ganz offiziell und man sieht auch Werbung. Es entsteht eher der Eindruck einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Menschen arbeiten als Taxifahrer, Wirt, Verkäufer oder auch Handwerker.

Information

1976 war es kaum möglich brauchbare Informationen zu bekommen und so unternahm ich eine Reise ins Blaue. Heute dagegen, im Jahre 2004 ist der Stand der Information wesentlich besser. Neuerdings gibt es sogar Landkarten und Reiseführer zu kaufen. Das war früher nicht so.

Kriminalität

Weder 1976 noch 2004 habe ich von Kriminalität irgendetwas bemerkt. Das Land ist weiterhin erfreulich sicher.