Die Menschen sind geradlinig, offen und ehrlich. Ich war angenehm überrascht. Zu keinem Zeitpunkt meiner Reise befand ich mich ernsthaft in Gefahr. Von Kriminalität bemerkte ich überhaupt nichts. Selbst wenn es die gibt, zeigt man sie nicht Ausländern gegenüber.

Einmal wurde ich in Skopje zu einem Stammtisch eingeladen. Die Runde setzte sich wie folgt zusammen: drei Mazedonier, ein Albaner, ein Türke. Diese fünf Menschen sind untereinander beste Freunde und verständigen sich auch sehr gut mit einem Deutschen. Sie meinten, die Konflikte zwischen den Nationalitäten seien nur künstlich von Politikern geschürt worden. Es geht auch mit Toleranz. Leben und leben lassen. Das ist auch in Mazedonien die Devise.

Die berühmte Gastfreundschaft darf nicht mißverstanden werden. Wir Deutsche sind reich - die Mazedonier sind arm. Das hat sich so in den Köpfen festgesetzt. Wer glaubt, aus Gründen der Gastfreundschaft, kostenlos Urlaub machen zu können, der unterliegt wohl einer leichten Illusion. Stellen wir einmal die Gegenfrage: wer würde schon bei uns einfach so wildfremde Personen zu sich ins Haus holen???

Die tatsächliche Gatfreundschaft erweist sich in praktischer Hilfe im Alltag. Der Fremde ist orientierungslos und es gibt technische Pannen. Sofort eilen gastfreundliche Mazedonier zur Hilfe und lösen das Problem. Wer tatsächlich ein Problem hat, der darf auch Unbekannte fragen.

Genau diese Hilfsbereitschaft schätze ich an den Menschen. Wer sich dafür revanchieren möchte, der solte ebenso Hilfsbereitschaft in praktischen Dingen anbieten. Diese Menschen organisieren sich selber.

Wer die Grundregeln von Anstand und guter Erziehung beherzigt, der wird mit den Menschen sicherlich gut auskommen.

Es gibt keine besondere Kleiderordnung. Politiker und Schlagersänger zeigen sich in Anzug und Krawatte. Nationaltrachten erblickt man nur noch zu besonderen Anlässen. Der gewöhnliche Mensch kleidet sich sportlich. Auch für Touristen gilt: bei der Auswahl seiner Kleidung erkundigt man sich am besten nach dem Wetter.

Im Allgemeinen sind die Menschen neugierig, doch nicht aufdringlich.

Häufig gestellte Fragen sind: Woher kommen Sie? Was führt Sie nach Mazedonien? Was ist besser - Deutschland oder Mazedonien?

Doch sind die Menschen nicht aufdringlich. Konkrete Pläne werden respektiert. Je konkreter der Plan, desto größer der Respekt. Wer genau weiß was er will, der vermag sich auch durchzusetzen.

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