M. gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Besonders hier läßt sich die Armut nicht in Zahlen messen. Das Land ist in dem Sinne arm, daß es kaum Industrie gibt und somit auch wenig bezahlte Arbeitsplätze.

Landwirtschaftlich gesehen ist M. dagegen fast wohlhabend und es bestehen auch Agrarüberschüsse. Das liegt daran, daß Exporte sehr schwer fallen. Hindernisse sind unzureichende Verkehrsverbindungen und künstliche Grenzen.

Rund um den Prespasee wachsen vor allem Äpfel, die qualitativ sehr gut sind. Der Bauer bekommt etwa 8 Cent pro Kilo.

Wenn die Menschen kein Geld haben, während es Lebensmittel im Überfluß gibt, dann führt das zu Naturalwirtschaft und Tauschhandel. Entweder, der Bauer versorgt sich selber. Oder ein Dienstleistender nimmt an Stelle von Geld auch Lebensmittel an. Diese Naturalwirtschaft wurde statistisch nicht erfaßt - zumindest kenne ich keine derartigen Statistiken - und deshalb läßt sich die wahre Armut nicht feststellen. Die Menschen sehen zumindest nicht unterernährt aus. Einige sind eher fettleibig.

Neben der Landwirtschaft hat sich ein breit gefächerter Dienstleistungssektor entwickelt. Fast jedes dritte Auto ist ein Taxi. Auf dem Ohridsee gibt es auch Wassertaxis. Das sind kleine Holzboote mit Außenbordmotor. Der Fahrpreis beträgt etwa 9 € pro Stunde. Daneben sieht man eine Vielzahl kleiner Läden und natürlich auch Kneipen, Bars, Restaurants, Hotels und Pensionen.

Hier möchte ich von einem Kapitalismus ohne Kapital sprechen. Die Menschen machen sich selbständig, weil sie anderweitig keine Arbeit finden. Da sie ebensowenig Startkapital haben, gründen sie Gewerbe, welche nur geringe Investitionen erfordern. Einmal erblickte ich sogar einen Schuhputzer auf der Straße. Es gibt auch Menschen, welche in Eselskarren den Müll abholen.

Andere sind als Handwerker oder auch Künstler beschäftigt. Dieser Dienstleistungssektor wartet nur noch auf Touristen. Es ist die reine Angebotswirtschaft. Angebote gibt es zur Genüge. Allein - es fehlen die Kunden.

M. befindet sich im Widerspruch zur Globalisierung. Wenn es allein um billige Löhne ginge, dann müßte es von ausländischen Investoren nur so wimmeln. Dem ist aber nicht so. Dafür sehe ich vier Gründe.

Es besteht immer noch die Sorge, das Land könnte gegen seinen Willen in einen Krieg hineingezogen werden. Diese Sorge halte ich nun wiederum für unbegründet.

Bauern und Dienstleister haben zwar eine bescheidene Existenz; - doch ist es auch eine Exitenz. Ein ausländischer Investor, der mazedonische Arbeitskräfte anwerben möchte, müßte schon über die bisherigen Unternehmensgewinne hinaus noch etwas drauflegen. Das ist mir mehrfach gesagt worden.

Selbständige tendieren dazu, sich Fachkenntnisse autodidaktisch anzueignen. Ein ausländischer Investor, der Facharbeiter beschäftigen möchte, steht vor der Frage, ob diese nun ausreichend qulifiziert sind. Einige mögen das wohl sein. Doch können sie es nicht nachweisen. Die wenigen Betriebe, die es gibt, sind in der Regel Familienbetriebe. Innerhalb der Verwandschaft kennt man sich besser.

Wegen mangelnder Kaufkraft bietet M. kaum einen Markt. Ein Investor, welcher die Produkte nach Deutschland re-exportieren möchte, steht vor den gleichen Problemen, die mazedonische Unternehmen heute schon haben. Die wenigen Marktlücken im Lande selber sind längst schon besetzt. Sofern Westprodukte überhaupt erwünscht sind, werden diese bereits in Lizenz produziert.

Bezahlte Arbeitsplätze gibt es am ehesten noch am Bau. Ein Baufacharbeiter mit der Qualifikation eines deutschen Poliers verdient als Angestellter etwa 300 - 400 € im Monat. Als Tagelöhner notfalls noch 10 - 15 € pro Tag, wobei die Jobs als Tagelöhner nicht gerade populär sind.

Ein Kilo Fleisch kostet im Laden 2 - 3 €. Es gibt aber nur Fleisch mit Knochen zu kaufen. 500 g Nudeln kosten 50 Cent. Eine Schachtel einheimischer Zigaretten kostet 40 Cent.

Da die Wohnungen zum größten Teil privatisiert wurden, wohnen die meisten mitfrei. Der frühere Mieter wurde zum heutigen Eigentümer

Sicherlich gibt es noch mehr zu sagen. Innerhalb einer Woche war das für mich nicht zu schaffen.

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Bauernmarkt

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